Barlach - Kollwitz - Über die Grenzen der Existenz

Ausstellung im Kunsthaus Kaufbeuren vom 18. Februar bis 26. Juni 2011


Für Käthe Kollwitz kann der Kontakt mit Ernst Barlach als „eine schicksalhafte Begegnung“ bezeichnet werden. „Bestimmte Wege wäre sie nicht gegangen ohne sein Beispiel“, schreibt Elmar Jansen einleitend in seiner Studie „Kollwitz, Barlach: Berührungen, Grenzen, Gegenbilder“ und macht deutlich, dass Käthe Kollwitz Ernst Barlach offen bewundert und sich in ihren Tagebüchern immer wieder begeistert über ihren Künstlerkollegen geäußert hat.



Schon 1913 schrieb sie: „Von ihm habe ich den Eindruck eines für sich bestehenden rauhbeinigen Mannes“, und als ihr jemand erzählt, dass Barlach sich vom glatt Eleganten allmählich zum Einsiedler und Grübler gewandelt habe, notiert sie: „Den bewundere und beneide ich.“



Barlach dagegen verhielt sich Käthe Kollwitz gegenüber eher zurückhaltend. Es existiert kein persönlicher Brief an sie, aber die Erwähnung ihrer Person anderen gegenüber ist getragen von Respekt, Seelenverwandtschaft und von Solidarität gegen den Ungeist der faschistischen Diktatur in Deutschland.



Eines seiner berühmtesten Werke, der schwebende Engel, 1927 als Ehrenmal zum Gedenken der Opfer des Ersten Weltkrieges für den Güstrower Dom geschaffen, trägt die Gesichtszüge der Kollwitz und 1933 protestiert Barlach in einer öffentlichen Rundfunkrede gegen ihren Ausschluss und den von Heinrich Mann aus der Preußischen Akademie der Künste Berlin.



Anders Käthe Kollwitz. „Nie habe ich eine Arbeit kalt gemacht, sondern immer gewissermaßen mit meinem Blut. Das müssen die, die sie sehen, spüren.“ Trotz ihrer lebenslangen Bewunderung für Barlach, konnte sie die formale Stilisierung des späten Barlachs nicht immer gutheißen, weil in ihren Augen das Moment der Einfühlung verloren ginge.



Die Berliner Grafikerin und Bildhauerin sah ihre künstlerische Arbeit eng mit dem konkreten politischen Kampf gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit verbunden. In ihren Plastiken, Zeichnungen und Graphiken werden die Menschen immer sehr persönlich, fast intim, in ihrer sozialen Realität dargestellt.



Im Privaten begann für Kollwitz das Politische. Nur selten, etwa in der Umsetzung der Todesthematik, löst auch sie ihre Bildsprache vom Naturalismus und lässt eine Stilisierung erkennen, die der Handschrift Barlachs ähnlich ist, wenn auch weicher, getragen von starker innerer - man möchte auch sagen - weiblicher Emotion.



Käthe Kollwitz zeigte sich zeitlebens beeindruckt vom Schaffen Barlachs und reflektierte sein Werk in ihrem. Als persönlichen Abschied porträtierte sie den Künstler, zu dessen Trauerfeier sie nach Güstrow gereist war, auf dem Totenbett und nannte das Relief „Die Klage“, das im selben Jahr 1938 entstand, „Klage um Barlachs Tod“.




Ernst Barlach + Käthe Kollwitz: Go young

Mit diesem Kreativwettbewerb läd das Kunsthaus Kaufbeuren Schüler und Jugendliche im Alter zwischen acht und 20 Jahren ein, die Themen von Ernst Barlach und Käthe Kollwitz mit den Augen von heute zu betrachten beziehungsweise in die heutige Zeit zu transportieren.  (Nähere Informationen)





Ernst Barlach - Mitten im Leben

Ausstellung und Projekttage zum 25-jährigen Bestehen der Ernst Barlach Gesamtschule Dinslaken. 26.09. bis 24.10. 2010



Ernst Barlach ist Namensgeber der Dinslakener Gesamtschule. Ihr 25-jähriges Bestehen ist Anlass für eine große Ausstellung seiner Werke, die unter dem Titel "Mitten im Leben" vom 26.09. bis zum 24.10. 2010 in den Räumen des Schulgebäudes stattfindet. Das Anliegen dieser Ausstellung ist es, die Werke Barlachs mitten in das pralle Leben der Gegenwart zu stellen und ihn mit Kindern und Jugendlichen zu konfrontieren.



Dabei geht es in erster Linie um die Schulung der Wahrnehmungsfähigkeit und das Wecken von ästhetischem Interesse bei den Schülern. Aber nicht nur Schüler, Eltern und Lehrer, sondern Vertreter der gesamten Öffentlichkeit können durch die Werke Barlachs hindurch eine hautnahe Auseinandersetzung mit den Grundfragen der menschlichen Existenz erleben. Denn die ausdrucksstarken Plastiken, Grafiken und Zeichnung der Ausstellung haben seit ihrer Entsteheung nichts an Kraft und Aktualität eingebüßt.

Die Schüler lernen genaues Betrachten, die Herstellung von Verbindungen zwischen den einzelnen Werken, die Artikulation von Emotionen und die Herstellung von Bezügen zur eigenen Lebenswelt. Und das alles gilt es fruchtbar machen für einen profilbildenden und kompetenzorientierten Unterricht: Für Übungen zum kreativen Umgang mit Sprache, für Phantasieren, Erzählen, Beschreiben und Deuten.



Barlachs Dramen und Texte sind auch heute noch Quellen der Inspiration. Nicht mit dem einschmeichelnden Blick auf ein großes Publikum geschrieben gibt Barlachs Literatur Zeugnis von einem existentiellen Ringen um Sinngebung innerhalb einer entfremdeten Welt. Als höchst authentische, dabei besonders artifizielle Texte erscheinen seine Dramen so eigenwillig, dass sie sich zwar jeder gefälligen Rezeption versperrten, aber dennoch immer wieder eine lebhafte Auseinandersetzung provozierten. Diese textuellen Eigenarten gilt es für den Unterricht nutzbar zu machen und zusammen mit den Schülern zu erschließen.



Barlach hat die Hoffnung auf eine von der Jugend zu schaffende bessere Welt nicht aufgegeben. Insofern wird die Ausstellung einen starken Einfluss auf das unterrichtliche Handeln an der Schule nehmen und vielleicht sogar langfristig zu einer stärkeren fächerübergreifender Orientierung führen. Denn kein Künstler der klassischen Moderne bietet in seinem Werke eine derart nachdrückliche Engführung zwischen den bildenden Künsten, den literarischen Sparten der Philologie, der Philosophie, der Religion und dem modernen Theater. Sicher werden wir schon bald ein von den Schülern erarbeitetes Barlach-Stück auf der Bühne der Schule erleben.

Und so schließt sich heute der Kreis mit der Möglichkeit, Ernst Barlach - Mitten im Leben - anzutreffen, umgeben von 1.300 Schülern in einer im Wandel begriffenen Region am Rande des Ruhrgebiets.
 
 
 

Ernst Barlach - Käthe Kollwitz in Göttingen

St. Jacobi - St. Johannis - St. Nikolai - Ev. Studienhaus. 19.09. bis 10.11.2010
 

Die Innenstadtkirchen von Göttingen geben nun über zwei Monate mehr als 150 Exponate nicht nur einen umfassenden Überblick über die Werke von Ernst Barlach und Käthe Kollwitz, sondern die Ausstellung spiegelt auch den inhaltlichen Dialog zwischen diesen beiden herausragenden deutschen Künstlerpersönlichkeiten aktuell in die Gegenwart hinein. Die Debatten um soziale Verantwortung, Armut und Reichtum, Empathie und politisches Engagement sind in den Werken dieser Ausstellung genauso aufgehoben,  wie die Sinnsuche des Menschen in einer globalen von Krisen geschüttelten Gegenwart.


Als eines der zentralen Bilder Barlachs für diesen Gegensatz zwischen körperlicher und geistiger Existenz des Menschen muss der im Zentrum von St. Jacobi „Geistkämpfer“ gelten, den der Bildhauer in einer Monumentalform 1928 für die Stadt Kiel geschaffen hat. Der Bildhauer greift bei dieser Arbeit auf die mittelalterlichen Metaphern Tier, Engel und Schwert zurück, um den Menschen in seiner elenden Gefangenschaft zwischen den Polen von Instinktgebundenheit und der Freiheit des Geistes darzustellen.


Das geduckte Fabeltier symbolisiert die dunklen Triebe des Menschen, über die sich der menschliche Geist in der aufstrebenden Gestalt des Engels erhebt. Doch Barlachs Geistkämpfer ist ein wehrhafter mit Schwert ausgerüsteter Engel, der uns wie ein Bild für den Erzengel Michael erscheint, der in John Miltons Versepos „Paradise Lost“, als Engelsfürst die himmlischen Heerscharen gegen die Kräfte der Finsternis in die Schlacht führt.

In der Figur des "Der Bettlers auf Krücken", der das Zentrum der Ausstellung in St. Johnnis bildet, wird das Lauschen zur wahren, zur existentiellen Erfahrung. Diese Figur horcht in den offenen Raum hinaus und hofft auf die erlösende Stimme, die ihr zuruft: "Stehe auf, und gehe!", denn die Krüppelhaftigkeit dieser Figur symbolisiert auf drastische Weise das auf äußere Hilfe angewiesene Bettler-Sein des Menschen. Es ist unübersehbar, dass es hier nicht um ein landläufiges Bettlertum geht. In der Figur dieses Bettlers enthüllt sich für Barlach das auf fremde Hilfe angewiesene Geschöpfsein des Menschen, der einen Weg der Änderung, einen Weg der Wandlung und einen Weg des Werdens beschreitet um über sich selbst hinaus zu kommen.

Dem Bettler in Johannis wie durch eine unsichtbare Brücke miteinander verbunden hängt in St. Nikolai, Barlachs Güstrower Ehrenmal. Er hängt dort so bewegungslos, als täte er das schon hunderte von Jahren. Mit dieser Gestalt wollte Barlach eine seelische Haltung ausdrücken, in die er durch die schrecklichen Weltkriegserlebnisse gekommen war, es ging ihm sicher auch um Erinnerung, aber es ging ihm vor allem um Innehalten, Innenschau und Überwindung des alten Menschen. Dieser Engel ist der Erde entrückt, entrückt in den freien Raum. Er liegt ganz horizontal, weil er, vom inneren Erleben überwältigt, völlig in sich ruht, ohne Ziel und Plan, und nicht nach vorn oder aufwärts oder abwärts will.  Der nichts mehr will.

Darstellungen von Engeln und schwebenden Gestalten sind in Barlachs bildnerischem Werk keine Seltenheit. Sie finden im Gegenteil vielfältige Ausprägung als geflügelte und ungeflügelte Wesen und allegorische Figuren, so können sie Genius, Wächter, Schicksalsverkünder, Götterboten, Schutzengel, Geister, Todesengel, Erinnerungssymbol und schwebender Gattvater sein. Aber die Idee für das Engelsmotiv des "Güstrower Ehrenmals" ist natürlich vor allem hervorgegangen aus der Erinnerung an Millionen Tote und unendliches Leid im Krieg. In ihm steckt die Einsicht in die notwendige Umkehr des Menschen genauso wie die Vorstellung von seiner barmherzigen Erlösung.



Die Form einer waagerecht schwebenden Gestalt mit langem Gewand, erhobenem Gesicht, rechtwinklig gehaltenen Füßen und vor dem Leib gefalteten Händen findet Barlach zuerst in einem kleinen, mit der Hand geformten Werkmodell. Die langgestreckte Grundform der Figur ist ganz ohne Körperdurchbrüche. Die Konzentration, die von ihr ausgeht, erinnert an eine stehende Bewegung, geräuschlos, ohne jegliche Mühe. Nur der in den Nacken gehobene Kopf läßt das Fortbewegenwollen in einen geistigen Raum vermuten. Keine Anstrengung beansprucht Körper oder Gesicht. Völlige Entspanntheit, Konzentration und Gelöstheit, wie das entrückte Hören einer Musik, die irgendwo hinter den Wolken liegt. 
  
  
 
 

Ernst Barlach - Käthe Kollwitz - Über die Grenzen der Existenz

Plastik - Zeichnung - Grafik
Ratzeburger Dom - St. Petri - St. Answer, Ernst Barlach Museum, 04.07. bis 29.08. 2010
 
   


 

In den drei Kirchen der Stadt Ratzeburg geben in diesem Sommer 150 Exponate von Ernst Barlach und Käthe Kollwitz nicht nur einen umfassenden Überblick über die Werke beider Künstler, sondern spiegeln ihren inhaltlichen Dialog bis in die Gegenwart hinein.



Ergänzt wird diese Werkschau durch eine Ausstellung mit Plakaten und dem eigenen Schwerpunkt: "Ernst Barlach als Dramatiker". Kommen Sie nach Ratzeburg und lassen Sie sich im Juli und August 2010 von dem landschaftlichen und kulturellen Zauber der Inselstadt gefangen nehmen.



„Über die Grenzen der Existenz“ wollten Barlach wie Kollwitz in ihren Werken hinausgehen und ebenso auf sie hinweisen. Sah Barlach eine Überwindung der Grenzen eher im Spirituellen, in der geistigen Kompetenz des Menschen, so ist doch das Hauptwerk der Kollwitz dem sozialen und politischen Engagement verpflichtet.



Die Werke beider Künstler – und das zeigt die eindrucksvolle Präsentation im sakralen Raum der Inselstadt Ratzeburg, widersprechen sich nie, sondern ergänzen und erweitern sich gegenseitig und berühren uns heute nach wie vor.



Die Debatten um soziale Verantwortung, Armut und Reichtum, Empathie und politisches Engagement sind darin aufgehoben, ebenso wie die Sinnsuche des Menschen in der globalen von Krisen geschüttelten Gegenwart.



Im romanischen Domgebäude, im Barockbau von St. Petri und im modernen Nachkriegsbau von St. Answer werden Denk- und Assoziationsräume geschaffen, die nicht vorgefertigte Interpretationen und dialogische Gegenüberstellungen vorgeben, sondern es dem Besucher ermöglichen, eine ganz eigene Verbindung zwischen Ernst Barlach und Käthe Kollwitz herzustellen.

Herzlich danken wir allen Leihgebern und Kooperationspartnern, namentlich der Landesregierung und der AktivRegion Schleswig-Holstein und dem "ifa - Institut für Auslandsbeziehungen" in Stuttgart.

 

Der arme Vetter - Das Drama

Lithographien, Texte, Programme, Bühnenfotos, Stadtkirche Unna, 27.05. - 15.07.2010

Gehetzt von der Erkenntnis, nur der „arme Vetter“ eines „hohen Herrn“ zu sein, irrt der Bürgersohn Hans Iver an einem Ostertag am Elbstrand umher und quält sich mit Selbstmordgedanken. Schließlich schießt er wirklich und bringt sich eine  lebens-gefährliche Wunde bei. Der Schwerverletzte wird von Osterausflüglern gefunden und in ein nahe gelegenes Wirtshaus gebracht. Unter den Gästen befindet sich auch die junge Lena Isenbarn mit ihrem Verlobten Siebenmark.

Bei den Bemühungen der Gäste um den verletzten Hans Iver wird die zwischen den beiden Verlobten bestehende Spannung deutlich. Während die Zeit vergeht, legt Hans Iver schriftlich sein geistiges Vermächtnis nieder. Mit dem eintreffenden Dampfschiff kommt auch eine Gruppe angetrunkener Ausflügler an, die sich von den derben Späßen eines als „Frau Venus“ verkleideten Mannes unterhalten läßt. Dieser findet Ivers Vermächtnis und verliest es öffentlich. Iver geht in die Scheune und will dort übernachten.

In der Nacht kommt es zwischen Iver und Siebenmark, die sich am Strand treffen, zu einer erregten Auseinandersetzung. Iver entlarvt schonungslos die vordergründige Selbst-sucht Siebenmarks und bringt diesen damit an den Rand der Verzweiflung. Der so Beschuldigte versucht sich mit Geld von den Vorwürfen freizukaufen. Doch Iver lehnt ab, zieht sich zurück und stirbt. An seiner Leiche kommt es zum endgültigen Bruch zwischen Siebenmark und seiner Verlobten Lena Isenbarn, die, von Sehnsucht nach innerer Erleuchtung erfüllt, als Einzige die geistige Tragweite von Ivers Tod erfaßt und sich mit einem Kuss als dessen wahre Braut zu erkennen gibt.

Als ich anfing, Dramen zu schreiben, geschah es rein triebmäßig ohne Hinblick auf Theater, und ich kann beteuern, daß keins meiner Stücke durch mein Zutun oder wie auch geartete Initiative meinerseits auf die Bühne gelangt ist. Einzig und allein Bühnenleiter haben aus dem Vertrauen zu meiner Arbeit Mut und Lust zu Aufführungen gewonnen. Ich habe erlebt, daß die „Sedemunds“ in Berlin einmütig durch die Presse abgelehnt wurden, erlebt, daß man mir versicherte, der Eindruck des Stückes sei
dennoch nachhaltig gewesen. Der „Arme Vetter“ hatte Erfolg, und der Leiter des Staatstheaters plant die Darstellung des „Findlings“. Bei alledem weiß ich nicht, inwiefern ich oder wieso nicht ich Dramatiker bin, ich muß produzieren, es mag Erfolg geben oder nicht. Es bleibt also nichts übrig, als eine gewisse Gleichmütigkeit gegenüber dem Gelingen oder Versagen zu konstatieren. ... Publikum hin, Publikum her, ich bin zufrieden, daß ich Freunde meines Wollens weiß, daß es Menschen gibt, deren Sprache ich spreche, die für sich von mir fordern und hoffen, was ich für ein Empfin-den, wie Sie es zeigen, hergeben kann. (Ernst Barlach, 21. Mai 1924)

 

Ernst Barlach - Wilhem Morgner

Vom Werden der Welt

Wilhelm Morgner Haus Soest, 25. April bis 20. Juni 2010

„Unser Leben ist ein Strom des Werdens, und kein Ziel als immer neues Werden – ewiges Werden“ (E. Barlach, 1926)

 „Man sagt, Zeit ist Werden und Vergehen. Ich meine, es giebt kein Vergehen. Vergehen ist nur relativ. Es giebt nur Werden.“ (W. Morgner, 1911)  

Ernst Barlach und Wilhelm Morgner waren Zeitgenossen und Künstlerkollegen, deren Wege sich vielfach kreuzten, wenn auch bisher keine persönliche Begegnung belegt ist.


Obwohl Morgner 21 Jahre jünger ist als Barlach und seine künstlerische Arbeit um 1908 beginnt, geraten beide in ein paralleles Fahrwasser im Berliner Kunstbetrieb. Als Morgner 1910 nach Berlin kommt, gehört Barlach bereits zum inneren Zirkel der Berliner Kunstszene.



Beide nehmen an den großen Ausstellungen teil, haben gemeinsame Künstlerfreunde und sind, wie die Ausstellung zeigen wird, mit sehr ähnlichen thematischen und ästhetischen Fragestellungen beschäftigt. Morgner fällt 1917 im 1. Weltkrieg, Barlach stirbt 1938.

   

 

Ernst Barlach. Expression

Schloss Cappenberg, 59379 Selm, 21. 03. - 20.06.2010 

      

Die Ausstellung "Expression", die am Sonntag, den 21. März 2010 auf Schloss Cappenberg eröffnet wurde, zeigt Werke aus allen Schaffensbereichen Barlachs.

 


Schloss Cappenberg ist inzwischen eine Art Heimstätte für unsere Gesellschaft, die dort zusammen mit dem Kreis Unna nun zum dritten Mal eine Werkschau präsentiert. Schon 1988 wurde von uns dort eine große Ernst Barlach Ausstellung realisiert und zuletzt waren Henri de Toulouse Lautrec und die Stars vom Montmartre im März 2009 zu Gast.

Doch hat die aktuelle Barlach-Retrospektive ein völlig anderes Profil als die von 1988: Nicht chronologisch, sondern thematisch wird das Gesamtwerk dargestellt. So beginnt der Besucher der Ausstellung mit dem Spätwerk oder den Ehrenmalen und bewegt sich von dort zu dem frühen, dem jungen Barlach, der Russlandreise, dem Dramatiker oder dem Illustrator.



Besucherzahlen jenseits der 50 000 erwarten die Veranstalter. Indikator für eine erfolgreiche Ausstellung ist aber nicht nur die Statistik. Der Anspruch der Retrospektive ist es denn auch, dem Besucher die Aktualität der Werke Barlachs nahe zu bringen.



Die Auswahl von 300 Arbeiten wird mit Originaltexten Barlachs und historischen Fotos aufbereitet und ist eine der umfangreichsten Präsentationen der letzten Jahrzehnte.

Die Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg hat die Ausstellung exklusiv für Schloß Cappenberg zusammengestellt. Öffnungszeiten:, Di-So 10-17 Uhr, Eintritt frei.

 

 

Der Prinz von Theben - Else Lasker-Schüler
Dichterin, Zeichnerin, Rebellin

Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg und Liberale Jüdische Gemeinde Hannover: Fuhsestraße 6, 30419 Hannover, 07.03. bis 14.04.2010

Als Else Lasker-Schüler vor nunmehr über 61 Jahren in Jerusalem starb, erschienen nur wenige Nachrufe - und die in englischer Sprache. In ihrer Heimat Deutschland waren noch immer die Nationalsozialisten an der Macht. Vor ihnen war die Dichterin 1933 als unwillkommene Emigrantin in die Schweiz geflohen, deren Behörden nach der Entfesselung des Zweiten Weltkriegs 1939 ihre Rückkehr von einer Palästinareise nach Europa verhinderten.

Die Werke Else Lasker-Schülers hatten die deutschen Machthaber schon 1933 öffentlich verbrennen lassen. Durch Vorträge und Schriften habe sie versucht, "den seelischen und moralischen Wert der deutschen Frau verächtlich zu machen", hieß es 1938 in der Begründung der Gestapo zum Ausbürgerungsantrag. Dass Else Lasker-Schüler, die schon damals von Kennern als größte deutsche Dichterin angesehen wurde, den Nazis nicht nur als Jüdin, sondern auch als moderne Frau ein Dorn im Auge war, dürfte heute kaum noch bekannt sein.

Else Lasker-Schüler setzte sich mit den unterschiedlichsten politischen Problemen auseinander und feierte in ihren Liebesgedichten eine autonome weibliche Erotik. Auch das war neu und subversiv, galten doch Frauen nach viktorianischen Vorstellungen als asexuell und hatten sich passiv vom männlichen Begehren leiten zu lassen. Einige Schriftsteller der Jahrhundertwende, die die Sexualität der Frau im Zeichen des Naturalismus und der Dekadenz feierten, delektierten sich an der Erfindung des "triebhaften und sündigen Weibes", das als "Vamp" oder "Vampir" Angst einflößte. Eine Selbstdefinition von Frauen war weitgehend ausgeschlossen.

Else Lasker-Schüler, die sich oft verliebte, machte die Männer, die teils irritiert oder erschrocken reagierten, zu Objekten ihrer dichterischen Inspiration, sie machte sie gleichsam zu "Musen", und kehrte damit das herkömmliche Geschlechtermodell um. 1909 schnitt sie ihr langes dunkles Haar zum Pagenkopf. Sie nannte sich nun nach dem biblischen Josef "Jussuf, Prinz von Theben". Eine männliche Rolle, die sie zugleich schützen und erhöhen sollte.

Nach ihrer Scheidung von Herwarth Walden 1912 begann sie, ein Bohèmeleben zu führen, tagsüber in Cafés und nachts in billigen, möblierten Zimmern. Sie provozierte durch ihren Habitus. Wie Gottfried Benn berichtete, habe sie "extravagante weite Röcke oder Hosen, unmögliche Obergewänder" getragen, Hals und Arme "mit auffallendem, unechtem Schmuck behängt" und trug "Ketten, Ohrringe und Talmiringe an den Fingern". Betont weibliche Kleidung lehnte sie ab, bei Lesungen zeigte sie sich in einem phantastischen Hosenkostüm und mit silbernen Stiefeletten.

Als Else Lasker-Schüler entwurzelt im Jerusalemer Exil starb, waren ihre Gedichte, Dramen und Prosatexte in Deutschland aus dem öffentlichen Bewusstsein verbannt. Sie blieben es auch in der jungen Bundesrepublik noch eine lange Zeit. Nun widmet sich eine Ausstellung der Ernst Barlach Gesellschaft einer der großen Zeitgenossinnen des Bildhauers: Die Ausstellung: "Der Prinz von Theben" spiegelt in Kunstwerken, Fotographien und Dokumenten Leben und Werk dieser klugen, politisch wachen und widerspenstigen Frau, die sich eingemischt hat, wann immer und wo es ihr passte.

Else Lasker-Schüler, die bedeutendste expressionistische Lyrikerin deutscher Sprache war eine unbequeme Frau, die zeit ihres Lebens gegen den Strom bürgerlicher Konventionen angelebt und angeschrieben hat. "Der Prinz von Theben" ist eine Ausstellung der Ernst Barlach Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Else Lasker-Schüler Archiv der Stadtbibliothek Wuppertal und zahlreichen Leihgebern, denen wir von Herzen danken.

  
 

Nachtstücke. Ernst Barlach als Dramatiker
12. Januar bis 28. März 2010  

Theatermuseum
30159 Hannover
Prinzenstraße 9

Seinem bildnerischen Schaffen ebenbürtig, aber weit weniger bekannt, ist Ernst Barlachs (1870-1938) literarisches Werk. Zwischen 1906 und 1938 entstanden neben autobiographischen Arbeiten die Dramen: „Der tote Tag“ (1912), „Der arme Vetter“ (1917), „Die echten Sedemunds“ (1920), „Der Findling“ (1922), „Die Sündflut“ (1924), „Der blaue Boll“ (1926), „Die gute Zeit“ (1929) und „Der Graf von Ratzeburg“ (postum 1951).

Barlachs Literatur gibt Zeugnis von einem existentiellen Ringen um Sinngebung innerhalb einer entfremdeten Welt. Als höchst authentische, dabei besonders artifizielle Texte erscheinen seine Dramen so eigenwillig, daß sie sich zwar jeder gefälligen Rezeption versperren, aber dennoch immer wieder eine lebhafte Auseinandersetzung provozieren.

Wurden die Dramen schon in der Weimarer Republik, vor allem in Berlin, mit beachtlichem Erfolg aufgeführt, so ist Barlach nach Brecht der einzige Dichter jener Zeit, der auch heute noch auf den deutschsprachigen Bühnen lebendig ist.
Und doch trotz aller Bemühungen um das literarische Erbe des Autors muß Ernst Barlach immer noch als einer der am meisten unterschätzten deutschen Dichter dieses Jahrhunderts gelten und weiterhin seiner eigentlichen Entdeckung harren.
Die Sonderausstellung „Nachtstücke“ stellt erstmals den Dramatiker Ernst Barlach und die Bühnenrezeption seiner Stücke in einer großen Überblicksausstellung vor.

Die Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg hat die Ausstellung exklusiv für das Theatermuseum Hannover zusammengestellt.